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10 Hormone, mit denen sich dein Körper gegen das Abnehmen wehrt

28. Januar 2016

Das bisschen Fett auf den Hüften ist doch egal! Oder etwa nicht?

Oft wird angenommen, dass unser Bauchspeck einfach nur ein Depot überschüssiger Energie ist. Dabei ist es schon seit den 90er Jahren klar, dass es viel mehr macht als den Körper durch Hungerphasen zu helfen.

Die Fettzellen des vizeralen Fettgewebes, also das Fett um unsere Organe herum, werden deshalb als endokrines Organ bezeichnet.
Das bedeutet, dass hier komplexe Körperfunktionen mit Hilfe von Botenstoffen gesteuert werden können.

Klingt erstmal komisch, dass dieses schwabbelige Zeug direkte Auswirkungen auf den Körper haben soll.
Aber in zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass Fettzellen Adipokine produzieren. Bis jetzt wurden zehn verschiedene Adipokine entdeckt.

Adipokine sind Proteine, die ganz unterschiedliche Aufgaben in unserem Körper übernehmen.
Sie greifen zum Beispiel in unser Hunger- und Sättigungsgefühl ein, beeinflussen die Fettverdauung und unsere Reaktion auf Insulin.
Gleichzeitig haben sie aber auch Auswirkungen auf unsere Libido, den Knochenwachstum und unser Immunsystem.

Adipokine sind also ziemlich wichtig für unseren Körper.
Grund genug sie mal genauer zu betrachten!

Adiponektin

Adiponektin ist das am besten untersuchte Adipokin. Es wurde 1995 entdeckt. Überrascht hat es vor allem durch die im Vergleich zu anderen Hormonen 1000fach höhere Konzentration im Blutplasma. Die Werte sind bei Frauen sogar noch höher als bei Männern.

Eine hohe Adiponektin-Konzentration beugt nicht nur Diabetes vor, sondern wirkt auch antiatherosklerotisch und antiinflammatorisch. Außerdem beugt es Blutgefäßerkrankungen vor.

Zusätzlich hilft das Adiponektin noch beim Fettabbau und den Muskelaufbau.

Das erreicht es zum einen über die Stimulation der AMP-Kinase, die wiederum die Fettoxidation stimuliert. Das führt nicht nur zu einer Verminderung der freien Fettsäuren im Blut, sondern verbessert auch die Insulinresistenz.
Gleichzeitig wird in der Leber die Umwandlung von Proteinen – und zu einem geringeren Teil auch von Fetten – in Glucose unterdrückt. Das schützt die Muskeln, in denen gleichzeitig die Insulinsensitivität gesteigert wird. Wenn die Zellen stärker auf Insulin reagieren, verarbeiten sie den Zucker besser und es wird weniger Insulin gebraucht.

Fehlt das Adiponektin oder wird es zu wenig im Körper gebildet, wird die Wirkung des Insulins abgeschwächt und das Risiko für Diabetes steigt enorm.

Mehr Fett mehr Adiponektin denkt ihr euch jetzt? Falsch geraten!

Bei dünnen Personen wurde deutlich mehr Adiponektin gefunden als bei fettleibigen. Warum?

Zwar wird das Lipidhormon in den Fettzellen produziert, aber nur wenn diese leer sind.
Je voller die Fettzelle desto weniger Adiponektin wird gebildet.
Zur Bildung benötigt der Organismus verschiedene Rezeptoren, die wiederum aus Kalzium und unterschiedlichen Proteinen gebildet werden. Gehemmt wird die Produktion durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel.

Die Ausschüttung der Adiponektine ist zudem hormongesteuert.
Insulin, TNF-α & Glukokortikoiden hemmen die Freisetzung.
Diese Hormone werden bei Entzündungen und ebenfalls bei großen Mengen an Fettsäuren oder Glukose freigesetzt. Wer also gerne Süßes isst, bekommt eventuell ein Problem mit seiner Adeponektin-Konzentration.
Außerdem wirkt Stress kontraproduktiv, da hier drei weitere Hormone freigesetzt werden, die hemmend wirken: Endothelin1, Cortisol und Katecholamine.

Gesteigert wird die Abgabe jedoch durch Insulin Like Growth Factor-1, dem Wachstumshormon das auch an unserem Muskelwachstum beteiligt ist.

Es erstaunt insgesamt also nicht, dass der Plasmaspiegel bei Geewichtsabnahme stark ansteigt.

Ist Adeponektin also ein Wundermittel der schlanken, gesunden Menschen?

Fast, aber nicht ganz.
Einen kleinen Hacken hat es natürlich doch. Zumindest bei Frauen wird vermutet, dass eine erhöhte Konzentration das Risiko einer Demenzerkrankung steigern kann.
Das kann uns mit einer normalen Ernährung egal sein.
Aber als Nahrungsergänzungsmittel oder Abnehm-Pille ist Adiponektin jedenfalls nicht zu empfehlen.

Leptin

Leptin wurde zwar als erstes Adipokin entdeckt, ist aber weit weniger gut erforscht als Adeponektin.
In den Fettzellen produziert, ist ein Mangel an diesem Leptidhormon wirklich selten, da es positiv mit dem Körperfettgehalt korreliert.

Die Wirkungen des Leptins sind wiedermal vielfältig.
Gelangt das Hormon über die Blutbahn ins Gehirn, reguliert des den Appetit und vermindert so die Nahrungsaufnahme.
Außerdem beeinflusst es einmal im Hypothalamus angekommen auch verschiedene andere Hormone. Hier sind vor allem die Schilddrüsen- und Sexualhormone, aber auch die Wachstumshormone zu nennen.
Gleichzeitig steigert Leptin die Aktivität des autonomen Nervensystems.

Ebenso wie Adeponektin verbessert Leptin die Insulinsensitivität im Muskelgewebe und der Leber.
Neben dem Knochenmetabolismus wird auch eine Regulierung des Immunsystems und inflammatorischer Reaktionen vermutet. Dies konnte bislang aber nicht eindeutig geklärt werden.

Jetzt fragt ihr euch sicherlich, wie der Leptingehalt mit zunehmenden Fettmassen steigen, aber gleichzeitig das Hungergefühl abschwächen kann.
Das passt nicht so recht zusammen.
Tatsächlich liegt dies nicht am Hormon selbst, sondern an seinen Rezeptoren. Diese werden bei zunehmenden Leptin immer resistenter, bis sie schließlich überhaupt nicht mehr auf das Hormon reagieren.

Die Schattenseite des Leptins liegt deshalb weniger im Hormon, als wiederum in seinen Rezeptoren begründet. Die finden sich nämlich auch in Krebszellen und stimulieren deren Wachstum. Einen genaueren Überblick über die Wechselwirkungen von Leptin und Tumoren findet ihr hier.

Chemerin

Wie auch das Leptin steigt und sinkt die Chemerin-Konzentration entsprechend des Fettgehalts.
Allerdings ist Chemerin weit weniger gut untersucht, sodass die Wirkungen nicht vollständig geklärt sind.

Man weiß jedoch, dass Chemerin im weißen Fettgewebe, den Leberzellen und auch der Plazenta gebildet wird.

Es hat eine große Wirkung auf das Entzündungsgeschehen und kann hier sowohl pro- als auch contrainflammatorisch wirken.
Außerdem beeinflusst es das Immunsystem positiv und untersützt die Kalziummobilisierung.

Allerdings erhöht Chemerin die Insulinkonzentration in den Fettzellen und erzeugt vermutlich eine Insulinresistenz in Skelettmuskelzellen.
Außerdem wird eine erhöhte Konzentration als ein Vorzeichen für bevorstehende Herzinfarkte und Schlaganfälle gehandelt.

Insgesamt ist die Datenlage noch sehr unbefriedigend und es bedarf dringend weiterer Studien.

Weitere Adipokine

Visfatin wurde erst vor kurzen entdeckt und ist dementsprechend noch sehr wenig erforscht.
Vermutet wird eine insulinmimetische Wirkung, also Senkung des Glukosegehalts im Blutplasma.
Zugleich fördert es aber auch die Umwandlung von Glukose in Fettsäure, wodurch es zur Vermehrung der Fettmassen beiträgt.
Produziert wird es in verschiedenen Organen und Geweben, vor allem aber im viszeralen Fett.

Ebenso schlecht erforscht ist die Wirkung des Vaspin, dem eine insulin-sensibilisierende Wirkung zugesprochen wird.

Omentin wird ausschließlich in vaskulären Fettzellen gebildet, sinkt aber bei zunehmender Fettleibigkeit. Es fördert den Glukosetransport.

Dagegen steigt die Konzentration an Apelin mit steigendem Fettgehalt und Insulin. Hier wirkt das Lipidhormon den negativen Effekten entgegen, indem es vor Herzerkrankungen schützt.

Eine eher untergeordnete Rolle spielt das cysteinreiche Resistin. Vermutet wird eine Beteiligung dieses Protein an Insulinresistenzen.

Auch die Studienlage bei dem Retinol Binding Protein-4 (RBP-4) ist nicht eindeutig.
Der Plasmaspiegel steigt anscheinend mit der Fettmasse und sinkt bei Gewichtsverlust und sportlicher Aktivität.
RBP-4 wirkt vor allem als Transportmolekül für Vitamin A, das sowohl die Nervenzellen schützt, als auch an der Protein- und Fettsynthese beteiligt ist. Allerdings kann ein Übermaß an Vitamin A auch zu Vergiftungserscheinungen führen.

Das Adipocyte fatty acid binding protein (A-FABP) wird ebenso bei Fettleibigkeit erhöht. Die Wirkung ist nicht genau geklärt, aber vermutlich erhöht es das Risiko für Brustkrebs.

Fazit

Adipokine regulieren auf vielfältige Art und Weise unseren Stoffwechsel und immunologische, sowie inflammatorische Prozesse.
Bei all den unterschiedlichen Hormonen sticht eine Konstante deutlich heraus: Zu viel Fettgewebe ist (vermutlich) ungesund.

Das wussten wir auch schon vorher, aber ist doch nett zu verstehen, warum es so ist.

Gleichzeitig zeigen die Adiponektine mal wieder, wie gut unser Körper für uns sorgt, wenn er mit vermehrten Fettgehalt mehr Hormone freisetzt, die den Folgen der Fettleibigkeit entgegenwirken.

Dennoch versucht der Körper immer, den aktuellen Status quo zu erhalten und macht das abnehmen dadurch deutlich schwieriger.

Meine Empfehlungen

Zwar ist die Studienlage noch sehr undurchsichtig, aber dennoch können wir ein paar vorsichtig formulierte Ratschläge daraus ziehen.

  1. Treibe Sport.
    Das hält nicht nur den ganzen Körper gesund, sondern verringert auch die Auswirkungen von Insulin. Außerdem steigert es die Konzentration an Adiponektin.
  2. Iss weniger Süßes.
    Das hilft nicht nur insgesamt beim Abnehmen, sondern verhindert auch eine vermehrte Ausschüttung an Insulin und vermehrt dadurch die Ausschüttung von Adiponektin.
  3. Iss kleinere Portionen.
    Je lehrer die Fettzellen, desto mehr Adiponektin wird produziert.
  4. Achte auf eine ausreichende Kalziumversorgung.
  5. Iss nicht zu viel Fett.
  6. Vermeide Stress.
    Stress wirkt sich nicht nur schlecht auf deine Fettpölsterchen aus, sondern ist insgesamt schädlich.

 

Quellen

Gelsinger C. et al.: Adipokine update- neue Moleküle, neue Funktionen. Wiener Medizinische Woschenschrift 2010. 160/15-16: 377-390.

Lang K. et al.:Leptin and Adiponectin: new players in the field of tumor cell and leukocyte migration. Cell Communication and Signaling 2009.

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=1561http:

http:///www.gesundheit.de/ernaehrung/leicht-abnehmen/nuetzliches-wissen-rund-ums-abnehmen/fatale-signale-aus-dem-bauchspeck-fettgewebe-produziert-botenstoffe

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