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Papayakern-Pfeffer selbst herstellen

2. Mai 2016

Leider haben sich viele Küchengewohnheiten etabliert, bei denen die gesündesten, weil nährstoffreichsten Anteile der Nahrung als Abfall entsorgt werden.

Dabei könntest du nicht nur gesünder leben, sondern auch eine Menge Geld sparen, wenn du einfach mehr verwertest.

Dazu gehört beispielsweise die Schale von vielen Obstsorten wie Kiwi, Apfel oder auch Mangos und Zitronen.
Aber eben auch viele Kerne.
Avocadokerne enthalten beispielsweise alles, was auch im Fruchtfleisch enthalten ist in stärker konzentrierter Menge.

Was für Avocados gilt, gilt auch für Papayas.
Papayakerne übertreffen das leckeren Fruchtfleisch der Papaya bei weitem.

Jetzt hast du sicher aufgehorcht.
Sind denn Papayakerne nicht lecker?!

In gewisser Hinsicht sind sie sogar sehr lecker.
Sie schmecken allerdings eher wie eine Mischung aus Kresse und Pfeffer.
Also nicht nach Obst.

Schauen wir uns zunächst mal die Papaya an sich an, bevor wir uns den Kernen widmen.

Papaya – tropischer Nährstoffcocktail

Eigentlich kommt die Papaya aus Südamerika, mittlerweile wird sie aber überall in den Tropen und Subtropen kultiviert.
Wie auch die Kiwis produzieren Papayabäume das ganze Jahr über Blüten und Früchte.
Genaugenommen wachsen Papayas nicht an Bäumen, sondern an Sträuchern, die wie Bäume aussehen.

Bei uns bekommt man meist nur die kleineren Papaya bis 500 g.
Doch viele Papayasorten produzieren Früchte, die bis zu 6 Kilo schwer werden.
Wenn du die Möglichkeit hast, solltest du zu den größeren Früchten greifen.
Die haben meist einen ausgeprägteren Geschmack.

2008 wurde das Genom der Papayapflanze übrigens komplett sequenziert.
Damit ist sie die fünfte Pflanze, deren Chromosomensatz erfasst wurde.

Dass dies noch vor vielen anderen Pflanzen gerade der Papaya zuteil wurde, liegt wahrscheinlich weniger an ihrem Eigenschaften als Gesundmacher.
Dabei wäre das kein abwegiger Grund.

Papayas sind nämlich reich an Vitaminen und Mineralstoffen.

Besonders Vitamin C ist so stark ausgeprägt, dass du mit einer halben Papaya bereits deinen Tagesbedarf decken kannst.
Damit tust du nicht nur etwas gutes für dein Immunsystem, sondern auch für den Stoffwechsel und deine gute Laune.
Dazu gesellen sich Beta-Carotin, Vitamin A, E und verschiedenste B-Vitamine, darunter besonders Folsäure.

Außerdem finden sich in der orange-roten Frucht noch Phosphor, Calcium, Eisen und Natrium.
Vor allem aber Kalium.
Mit einer Frucht von etwa 500 g kannst du immerhin die Hälfte deines Kaliumbedarfs decken.

Als wäre das nicht schon genug, wartet die Papaya sogar mit einem besonderen Enzym auf: dem Papain.
Dieses schauen wir uns aber erst später an.

Zunächst geht es noch kurz um die Papaya allgemein.
Da sie zu 88% aus Wasser besteht, hat sie sehr wenig Kalorien und belastet auch den Insulinspiegel kaum.
Auch für Menschen, die Fructose nicht vertragen, sind Papayas in der Regel kein Problem.
Und selbst solche, die Probleme mit Fruchtsäuren haben, werden beherzt in eine Papaya beißen können.
Die Tropenfrucht enthält nämlich überhaupt keine Säure.

Durch diese Zusammensetzung kann Papaya nicht nur bei Verdauungsproblemen helfen, sondern auch das Immunsystem stärken und das Aussehen der Haut verbesser.

Wenn die Frucht schon so gesund ist, warum solltest du dann überhaupt noch zu den Kernen greifen?

Besonderheiten des Papayakerns

Wie auch bei den meisten anderen Obstsorten ist im Kern der Papaya eine besonders hohe Nährstoffdichte.
Das überrascht eigentlich nicht.
Aus dem Kern soll ja später eine neue Pflanze werden.

Wie auch bei den meisten anderen Obstsorten ist im Kern der Papaya eine besonders hohe Nährstoffdichte.
Das überrascht eigentlich nicht.
Aus dem Kern soll ja später eine neue Pflanze werden.

Verbesserung der Verdauung und des Stoffwechsels

Vor allem das Enzym Papain ist beinahe ausschließlich in den Kernen enthalten.
Papain wirkt ungefähr so wie das körpereigene Pepsin im Magen.
Es zersetzt die Proteine in Aminosäuren und fördert gleichzeitig die bessere Verbrennung von Fetten.
Anders als das Pepsin bleibt Papain aber auch im sauren Milieu relativ lange aktiv.
Dadurch kann es dem Körper besonders bei Übersäurerung des Magens unterstützen und wirkt entsäuernd.

Papain verhindert, dass sich unverdaute Proteine im Körper ablagern.
Dies ist übrigens nicht nur eines der Hauptgründe für Verdauungsstörungen, sondern schwächt auch das Immunsystem.

Stärkung des Immunsystems

Papain ist also nicht nur für einen gesunden Stoffwechsel förderlich, sondern stärkt auch das Immunsystem.
Nicht zuletzt weil es auch antioxidativ wirkt, also freie Radikale abfängt.

Gleichzeitig reinigt es die Gefäßinnenwände.
Dadurch kann Papain Erkrankungen wie Thrombose verhindern.
Zudem wirkt es entzündungshemmend, wodurch viele Krankheiten bereits im Keim erstickt werden können.

Zusätzlich zu diesen Eigenschaften stärkt Papain das Immunsystem aber noch auf anderes Art.
Denn Papain soll auch die Produktion der sogenannten Killerzellen erhöhen.
Diese fungieren als Wächter unseres Körpers und greifen alles an, was nicht hinein gehört.
Dadurch wird die Abwehr also zusätzlich verstärkt und vielen Krankheiten vorgebeugt.

Schutz vor Viren, Parasiten und Bakterien

In vielen Studien wurde Papain zugleich erfolgreich als Entwurmungs- und Anti-Parasiten-Mittel getestet.
Es wirkt nämlich nicht nur Fäulnisprozessen entgegen, sondern zerstört auch viele der Parasiten und sogar Viren.

Auch Bakterien wie die bösartigen Varianten der Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Salmonella typhi (Erreger des Typhus) und Pseudomonas aeruginosa konnten mit Hilfe von Papayakernen erfolgreich am Wachstum gehindert werden.
Sie sind für Infektionen aller Arten im Körper verantwortlich.

Für eine gesunde Leber, Knochen und Muskulatur

Über mehrere Umwege führt Papain außerdem zu einer Aktivierung des Wachstumshormons Somatropin.
Das Hormon ist nicht nur für gesunde Muskeln und Knochen unerlässlich, sondern unterstützt auch die Zellerneuerung in der Leber

Aber Vorsicht!

Papayakerne enthalten progesteronähnliche Stoffe.
Das kann bei Frauen Menstruationsbeschwerden lindern.
Bei Männern kann es allerdings zu einer verminderten Fruchtbarkeit kommen.

In Tierstudien wurde festgestellt, dass eine regelmäßige Einnahme von Papayakernen die Anzahl der Spermien und deren Aktivität stark vermindert.

Das kann Vor- und Nachteile haben. Je nachdem wie deine Lebensplanung gerade aussieht.
Obwohl viele Naturvölker Papayakerne als Verhütungsmittel benutzen, würde ich mich auf diese Wirkung aber nicht komplett verlassen.

Bei allen den guten Vorteilen, willst du jetzt sicher direkt loslaufen und Papayakerne kaufen.

Leichter gesagt, als getan.
Denn Papayakerne wirst du höchstens im Internet zu einem überteuerten Preis finden.

Zum Glück gibt es die ganze Papaya aber das ganze Jahr über im Supermarkt.
Und eine Papaya enthält ziemlich viele Kerne.

So kannst du Papayakern-Pfeffer selbst herstellen20160429_073037[1]

 Das brauchst du:

Eine Papaya
Ein Löffel
Ein Backblech
Eine Pfeffermühle

So wird’s gemacht:

Wenn du eine Papaya aufschneidest, dann fallen dir die schwarzen Kerne bereits entgegen.
Die Kerne, die noch an der Frucht hängen, kannst du einfach mit einem Löffel abschaben.

Befreie die Papayakerne vom Fruchtfleisch.
Geh dabei sorgfältig vor, denn das Fruchtfleisch könnte anfangen zu schimmeln.

Breite die Kerne anschließend auf einem Backblech aus.
Heize den Ofen auf 50 Grad Ober-Unterhitze.
Oder mach einfach die Lampe an, wenn er dadurch schon warm genug wird. Das ist bei jedem Ofen unterschiedlich.

Jetzt müssen die Kerne zwei bis drei Stunden im Ofen bleiben.

Dann sind sie auch schon fertig und du kannst sie einfach in eine Pfeffermühle geben.
Alternativ kannst du sie auch mit einem Mörser zerkleinern, aber das ist viel anstrengender.

Durch den pfefferartigen Geschmack kannst du die Kerne überall dort verwenden, wo du auch Pfeffer einsetzen würdest.
Besonders zu asiatischen Gerichten passt Papayakern-Pfeffer gut.

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komplett getrocknete Papayakerne

reife Papayas kaufen und lagern

Die Welt streitet noch immer darüber, ob die Kerne von unreifen Papayas giftig sind oder nicht.
Ich habe keine wissenschaftlichen Belege dafür gefunden, aber der Verdacht hält sich so hartnäckig, dass hier dennoch Vorsicht geboten ist.

Außerdem schmeckt eine vollkommen reife Papaya viel besser.

Aber woran erkennst du, ob eine Papaya reif ist?

Reife Papayas haben eine (beinahe) komplett gelbe Schale.
Einige Sorten weisen sogar rote Flecken oder Streifen auf.
Es gibt sogar einige Sorten, die ins Orange-Rosa abschweifen.

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Solche Papayas hast du im Laden noch nie gesehen?
Ich auch nicht.

Das liegt daran, dass Papayas stark nachreifen können.
Deshalb werden sie relativ früh geerntet.
Bei uns kommen dann selten wirklich reife Papayas an.

Aber das ist kein Problem.
Achte beim Kauf einfach darauf, dass die Papaya nicht komplett grün ist, sondern schon möglichst viel Gelb aufweist.
Dann kannst du sie zuhause wie Tomaten nachreifen lassen.

Verpacke sie einfach in Zeitungspapier und lege sie an einen warmen Ort.
Überprüfe aber jeden Tag, ob die Papaya reif ist.

Denn im reifen Zustand hält sich die Frucht nur ein oder zwei Tage.
Im Kühlschrank hält sie sich wenige Tage mehr.
Aber dieser darf nicht unter 7 Grad kommen, weil sie sehr kälteempfindlich ist.

Ob die Papaya reif ist, erkennst du nicht nur an der Farbe, sondern auch an der Konsistenz.
Auf Fingerdruck sollte das Fruchtfleisch leicht nachgeben.

Wenn du die Papaya nicht komplett aufessen möchtest, kannst du sie auch einfach einfrieren.
Trotz ihrer Empfindlichkeit gegenüber Kälte scheint das dem Geschmack keinen Abbruch zu tun.

Meine Empfehlungen

Mich hat der Papaya-Pfeffer vor allem wegen seinem Geschmack überzeugt.
Trotzdem sind die gesundheitlichen Vorteile nicht von der Hand zu weisen.

Ich werde bei meinem nächsten Asien-Urlaub auf jeden Fall genug Papayakerne mitnehmen, um mich gegen jede Art von Darmparasiten und Durchfall zu schützen.

Aber auch im Krankenhaus lohnt sich eine kleine Tüte mit Papayakernen.
Denn gerade hier sind besonders viele Keime und Viren unterwegs.
Papayakerne können zumindest das Zusatzrisiko eindämmen.

Für eine vorbeugende Wirkung solltest du fünf oder sechs Papayakerne über den Tag verteilt zu dir nehmen.
Aber vergiss das Kauen nicht!
Sonst werden die Kerne unverdaut wieder ausgeschieden.

Vorsicht ist allerdings bei Milchprodukten geboten.
Das enthaltene Papain reagiert nämlich auf die Proteine und lässt sie bitter werden.

Wenn du eine unreife Frucht gekauft hast, dann solltest du sie nicht wie Obst essen.
Aber zum Glück lässt sie sich einfach wie Gemüse zubereiten.
Unreife Papayafrüchte werden besonders in Asien für den berühmten Papayasalat verwendet.
Aber auch Chutneys, Currys und Salsas lassen sich mit unreifer Papaya ergänzen.

Falls du an Papaya-Blätter herankommst, kannst du aus diesen übrigens einen gesunden Tee zubereiten, der deine Abwehrkräfte noch zusätzlich stärkt.

Ein klares JA zur Papaya und ihren vielen Vorzügen.

Hast du den Papayakern-Pfeffer schon mal ausprobiert?
Dann teile deine Erfahrung mit uns.

Quellen und weiterführende Literatur:

Drenth, J. et al.: Structure of papain. Nature 1968, S. 929–932.

Husain, S. & Lowe, G.: Completion of the amino acid sequence of papain. Biochemical Journal 1969, S. 279–288.

Hiller, K. & Melzig, M.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2010.

Löffler, G.: Basiswissen Biochemie mit Pathobiochemie. 2008.

Okeniyi, J. et al.: Effectiveness of dried Carica papaya seeds against human intestinal parasitosis: a pilot study. Journal of medicinal food 2007, S. 194-196.

Phowalla, J. & Singh, S.: Worm infestations in infants and children of pre-school age in Indore. Indian journal of pedriatrics 1959, S. 459-466.

Fajimi, A. & Taiwo, A.: Herbal remedies in animal parasitic diseases in Nigeria: a review. African Journal of Biotechnology 2005, S. 303-307.

Lohiya, N. et al.: Chloroform extract of Carica papaya seeds induces long-term reversible azoospermia in langur monkey. Asian journal of andrology 2002, S. 17-26.

Dawkins, G. et al: Antibacterial effects of Carica papaya fruit on common wound organisms. West Indian Medical Journal 2003, S. 290-292.

Osato, J. et al.: Antimicrobial and antioxidant activities of unripe papaya. Life Science 1993, S. 1383-1389.

Goyal, S. et al.: Safety evaluation of long term oral treatment of methanol sub-fraction of the seeds of Carica papaya as a male contraceptive in albino rats. Journal of ethnopharmacology 2010, S. 286-291.

Schönfelder, I.: Das neue Handbuch der Heilpflanzen.2004.

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