nutritions

Süßlupinen – die eiweißreiche Alternative zu Soja?

26. Mai 2016

2016 wurde zum Jahr der Hülsenfrüchte ernannt.

Aber wusstest du, dass auch die Süßlupinen zur Familie der Hülsenfrüchte gehören?
Sie sind sogar sehr eng mit Erdnüssen, Erbsen und Kichererbsen verwandt.

Dabei sind von den hunderten verschiedenen Lupinensorten aber nur die Süßlupinen genießbar.
Die meisten dienen lediglich als Zierde im Garten oder zur Bodenverbesserung und sollten auf keinen Fall gegessen werden.

Süßlupinen dagegen wurden schon Anfang der 30er extra zum Verzehr gezüchtet.
Ihren Namen verdanken sie aber nicht etwa ihrem Geschmack, sondern dem Fehlen von giftigen Bitterstoffen.
Deshalb ist es leider nicht möglich, einfach Lupinen sammeln zu gehen.

Aber trotz ihrer nahen Verwandtschaft mit den giftigen Lupinen spricht einiges für die Süßlupine.
Schauen wir uns die Pflanze also mal genauer an.

Das ist drin in der Süßlupine

Auf den ersten Blick sehen Süßlupine aus wie ein wahrgewordener Traum.

Die Hülsenfrüchte haben viel weniger Kalorien als ihre Verwandten.
Mehr Protein, weniger Fett und weniger Kohlenhydrate.

Im Schnitt kommen auf 100g Trockenmasse 36-48 g Eiweiß, 5 g Kohlenhydrate und nur 4-7 g Fett.

Das Eiweiß beinhaltet alle essentiellen Aminosäuren.
Besonders die in anderen Proteinen oft nur wenig vorhandenen Aminosäuren Tryptophan und Lysin.
Dadurch ergänzen Süßlupine die Eiweißversorgung optimal.

Dazu kommt ein besonders hoher Ballaststoffanteil von 15 bis 18 %.
So erweist sich die Süßlupine als ein gutes Präbiotikum, das eine gesunde Darmflora aufrecht erhält.

Gleichzeitig sorgen der hohe Anteil an Ballaststoffen und das Fehlen von Stärke dafür, dass Süßlupinen einen besonders niedrigen glykämischen Index haben.
In Kombination hilft das dabei, den Glucose- und Insulinanstieg nach dem Essen zu vermindern.
Das unterstützt nicht nur beim Abnehmen, sondern schützt auch vor Heißhungerattaken.

Cholesterin sucht man in der Hülsenfrucht vergeblich, stattdessen haben sie relativ viele Omega 3- und 6-Fettsäuren.

Auch in Punkto Mineralstoffen braucht sich die Süßlupine nicht zu verstecken.
In ihr finden sich Kalium, Calcium, Magnesium, Mangan, Zink und Kupfer.
Aber auch das Eisen ist in seiner leichter resorbierbaren Form im Lupin enthalten.

So bildet die Süßlupine eine hervorragende Quelle für ein ganzes Sammelsurium verschiedener Mineralstoffe und Spurenelemente.

Neben dem antioxidativ wirkenden Vitamin E, nimmt dein Körper mit Süßlupinen auch Folsäuren auf.
Dazu gesellt sich Thiamin (Vitamin B1), das am Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel beteiligt ist und eine gesunde Nervenaktivität erhält.

Das Provitamin Beta Carotin, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird, ist nur eines der zahlreichen sekundären Pflanzenstoffe in der Süßlupine.
In der Hülsenfrucht tummeln sich nämlich besonders viele Farbstoffen, die auf unterschiedlichste Arten auf deine Gesundheit einwirken können.

Die meisten von ihnen gehören zu der Gruppe der Isoflavone oder Isoflavonoide, die eine gelbliche Färbung verursachen.
Da sie in sehr hohen Mengen aufgenommen östrogenähnliche Wirkungen auf den menschlichen Körper ausüben können, werden sie auch Phytoöstrogene genannt.
Aber keine Sorge so viele Isoflavone wirst du in der Lupine nicht finden.

Genistein ist einer dieser Farbstoffe.
Es fördert die Fruchtbarkeit, indem es die Kapazitation der Samenzellen beschleunigt.
Ob Genistein auch krebshemmende Wirkungen hat wird derzeit näher untersucht.
Eine leichte tumorhemmende Wirkung konnte bislang in Brustkrebszellen beobachtet werden.

Dem Genistein sehr ähnlich ist das Daidzein.
Es soll auch ähnliche Wirkungen haben und der krebshemmende Einfluss ist unlängst nachgewiesen worden.

Viel häufiger vorkommend und auch besser erforscht ist das Lutein, ein Xanthophyll.
Dieses wird im Zusammenspiel mit Zeaxanthin für die Sehkraft des Auges gebraucht.
Ein Glück dass auch dieser Farbstoff in der Süßlupine enthalten ist.
Beide schützen die Augen vor den Schäden zu hoher Lichteinstrahlung.

Insgesamt wirken die Farbstoffe nicht nur antioxidativ, sondern zumeist auch antimikrobiell.

Aber zusätzlich sind auch Phytosterine enthalten. Sie senken zusätzlich das Cholesterin im Blut und hemmen die Aufnahme im Darm.

Damit hätten wir das also geklärt: Süßlupine sind die neue Superpflanze.

Leider nicht ganz.

Allergien und Toxine

Denn obwohl die Süßlupine so gezüchtet wurde, dass sich weniger Toxine in ihr befinden, sind von diesen doch noch etwa 0,05% der zuvor enthaltenen Alkaloide enthalten.
Dazu gehört zum Beispiel Lupinin, das zu Atemlähmung führen und damit tötlich sein kann.
Allerdings sind diese toxischen Stoffe nur in wirklich geringen Mengen enthalten.

Bei empfindlichen Menschen oder wenn Süßlupine in großen Mengen verzehrt werden, können trotz des geringen Gehalts an Toxinen verschiedene Beschwerden auftauchen.

Vor einiger Zeit gab es Hinweise auf eine Belastung der Süßlupinen mit einem Mykotoxin, dem Phomopsin A.
Seitdem werden Süßlupinen aber regelmäßig auf diesen Giftstoff untersucht. Zumindest die in Deutschland hergestellten Süßlupinenprodukte sind insgesamt nicht mit dem Mykotoxin belastet.

Weitaus ausschlaggebender für viele Leute, die Bedenken an der Verwendung der Süßlupine haben, ist ihr allergenes Potenzial.

Wie alle Eiweiße kann auch das Eiweiß der Süßlupine zu allergischen Reaktionen führen.
Obwohl die Süßlupine weniger Allergien auslösen als Soja oder Erdnüsse, wird sie doch zu den 14 häufigsten Verursachern von Nahrungsmittelallergien gezählt.

Dabei sind besonders Menschen betroffen, die bereits eine Erdnussallergie aufweisen.
Durch die strukturelle Ähnlichkeit der Proteine kommt es hier oft zu Kreuzallergien.

Die genauen Wirkmechanismen und Folgen dieser allergieauslösenden Proteine wird noch untersucht.

Wenn du dir nicht sicher bist, wie gut du Süßlupinen verträgst, solltest du das erst mit geringen Mengen austesten.

Seit 2007 müssen Lebensmittel, die Süßlupinen beinhalten, als solche gekennzeichnet sein.

Besonderheiten der Süßlupine im Vergleich zu anderen Hülsenfrüchten und Soja

Anders als die meisten Hülsenfrüchte enthalten Süßlupine sehr geringe Mengen an Trypsin-Inhibitoren, die die Verdauung erschweren.
Auch die magenreizenden Lektine und Saponine sind nur geringfügig enthalten.

Dadurch sind Süßlupine viel besser verträglich als andere Hülsenfrüchte und blähen auch nicht.

Da Süßlupine zugleich einen sehr geringen Anteil an Purin haben, sind sie selbst bei rheumatischen Erkrankungen gut verträglich.
Natürlich braucht der menschliche Körper Purin, um neue Zellen aufzubauen. Aber dies kann er nicht nur selbst herstellen, er braucht auch nur relativ wenig.
Beim Abbau von Purin entsteht Harnsäure, wovon dein Körper nicht zu viel in sich haben sollte. Bei einem hohen Harnsäurespiegel werden vermehrt Ablagerung in Gelenken und Niere produziert.

Und selbst im Vergleich zur Eiweißbombe Soja haben Süßlupinen mehr Eiweiß, mehr Ballaststoffe und dabei weniger Fette und Kohlenhydrate.
Dabei weist das Eiweiß eine beinahe ebenso hohe biologische Wertigkeit auf.

Auch aus ökologischen Gründen hat die Süßlupine einen deutlichen Vorteil.
Die Pflanze wächst eigentlich überall, ist nicht sehr anspruchsvoll, übersteht auch extreme Wetterbedingungen und braucht keinen Dünger.
Mehr noch: Die Pflanze reichert den Boden sogar wieder mit Nährstoffen auf und macht damit selbst karge Erde wieder fruchtbar.

Das spricht alles für die Süßlupine.
Schauen wir uns jetzt also mal an, wie man mit Süßlupinen arbeiten kann.

Süßlupinenmehl – Herstellung und Verwendung

Das Mehl wird aus gepressten und anschließend eingeweichten Lupinenkernen gewonnen.
Durch Erhitzung verdampft die Flüssigkeit, bis nur noch das Mehl übrig geblieben ist.

Das Süßlupinenmehl kannst du auf viele verschiedene Arten verwenden.

Durch die ähnlichen Eigenschaften kannst du es beispielsweise als Ersatz für Sojamehl benutzen.

Aber auch andere Mehle könne zu 15 bis 20% durch Lupinenmehl ersetzt werden.
Dadurch werden Teige lockerer und fluffig.

Außerdem hält es die fertigen Lebensmittel länger frisch.
Denn durch die Eiweiß- und Fettbindenden Eigenschaften, bleibt das Gebäck lange saftig und das enthaltene Fett wird nicht ranzig.

So kannst du also ganz leicht den Proteingehalt deiner Brote, Brötchen oder Kuchen erhöhen.

Süßlupinen-Sprossen

Wenn du dir Süßlupinenkerne kaufst, kannst du diese wie andere Sprossen im Glas ziehen.

Dazu füllst du dein Keimglas zu maximal einem Viertel mit den Kernen.
Lass das Ganze dann für ein oder zwei Stunden in Wasser einweichen.

Spüle die Gläser danach mehrmals täglich und kipp das Wasser immer sofort wieder heraus.

Nach zwei Tagen hast du schon fertige Sprossen.

Meine Empfehlungen

Süßlupinen gibt es auch in vielen verarbeiteten Formen.
Es kann Tofu ersetzen, aber auch Eis, Joghurt und Milch wird daraus hergestellt.
Es gibt sogar einen Kaffe aus Lupinen. Den habe ich allerdings noch nie probiert.

Insgesamt ist die Palette an angebotenen Lupinen-Produkten also sehr hoch.
Allerdings bedeutet mit Süßlupinen noch lange nicht, dass diese Produkte auch gesund sind.
Leider spielt der Geschmack und die preiswerte Herstellung eine viel größere Rolle als der Gesundheitsaspekt.

Es sind nun mal Fertigprodukte und dabei musst du immer aufpassen.

Bei Süßlupinen solltest du besonders darauf achten, dass sie möglichst regional produziert wurden. So verbesserste du nicht nur deine CO2 Bilanz, sondern gehst auch sicher, dass keine Mykotoxine enthalten sind.

Wenn du zum ersten Mal Süßlupinen probieren solltest, dann taste dich lieber vorsichtig heran.
Die Wahrscheinlichkeit, dass du sie nicht verträgst, ist doch relativ hoch.

Ich habe keinerlei Probleme beim Verzehr von Süßlupinen und ergänze mit ihnen gerne meine Ernährung.
Aber trotzdem esse ich nicht jeden Tag Produkte mit Süßlupinen. Und zumeist bereite ich sie selbst zu, damit ich sehen kann, woher das Lupinenmehl kommt.

Die immer noch in kleinen Mengen enthaltenen Toxine, sollten dich nicht davon abhalten, diese gesunde Eiweißquelle zu benutzen.
Aber sie sollte dich doch zur Vorsicht ermahnen, maßvoll damit umzugehen.

Quellen & weiterführende Literatur:

Dooper M. al.: Immunoglobulin E cross-reactivity between lupine conglutins and peanut allergens in serum of lupine-allergic individuals. Journal of Investigational Allergology and Clinical Immunology 2009, 19(4), S.283-291.

Ballabio C et al.: Characterization of the sensitization profile to lupin in peanut-allergic children and assessment of cross-reactivity risk. Pediatric Allergy and Immunology 2013, 24(3), S.270-275.

Bähr, M. et al.: Skin prick test reactivity to lupin in comparison to peanut, pea, and soybean in atopic and non-atopic German subjects: A preliminary cross-sectional study. Immunity, Inflammation and Disease 2014, 2(2), S. 114–120.

Heyland, K.: Spezieller Pflanzenbau. 1996.

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Was interessantes entdeckt? Lass andere teilhaben!