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Warum du deinen Darm gut behandeln solltest

27. Januar 2016

Können Bakterien in unserem Darm die Entwicklung unseres Gehirns beeinflussen?

Genau das ist die Frage, mit der sich im Moment immer mehr Neurowissenschaftler und Biologen beschäftigen.

Es laufen in Amerika und Europa mehrere Forschungsprojekte, die sich mit Fragen der Gehirnentwicklung von Säuglingen und der Beeinflussung neurologischer Krankheiten wie der multiplen Sklerose beim Menschen beschäftigen.
Die Mikrobiomanalyse ist jedoch mit einigen Schwierigkeiten belastet, denn obwohl es Korrelationen gibt ist dies noch kein eindeutiger Beweis für eine Kausalität.
Unterschiede im Mikrobiom könnten also sowohl Ursache als auch Folge von Erkrankungen sein.
Außerdem sind noch nicht mal annähernd alle im menschlichen Körper lebenden Mikroorganismen bekannt.

Eindeutige Daten aus dem menschlichen Körper gibt es noch nicht, aber viele Ergebnisse aus Tierversuchen lassen Annahmen über die Wirkung der Darmbakterien zu.

Die Zusammenhänge zwischen Darm und Gehirn sind jedoch noch keine bewiesenen Mechanismen, sondern bislang nur Hypothesen und daher mit der entsprechenden Vorsicht zu genießen.

Es konnte in einigen Versuchen gezeigt werden, dass sich Verhaltensweisen wie Ängstlichkeit und Neugierde durch bestimmte Bakterien beeinflussen lassen.
Auch stellte sich heraus, dass einige Bakterien Buttersäure herstellen, die durch Festigung der Zellverbindungen die Blut-Hirn-Schranke verstärkt.

Besonders das Immunsystem und der Neurotransmitter Serotonin werden durch die Darmbakterien beeinflusst.
Denn Bakterien regen Immunzellen zur Zytokin-Produktion an, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren und damit die Immunabwehr des Körpers verbessern.

Einige Mikrobien nehmen zudem starken Einfluss auf die Serotoninproduktion in der Dickdarmwand. Serotonin beeinflusst die Signalverarbeitung des Gehirns und den Blutdruck positiv. Man geht davon aus, das beim Menschen 90% des peripheren Serotonins in den Darmzellen produziert wird.

Auch konnte die Myelinisierung der Nervenfasern, also die Isolierung der Nerven durch Myelinscheiden, durch Bakterien beeinflusst werden.
Diese Erkenntnisse wären besonders für die Behandlung von multipler Sklerose von Bedeutung.

In einer Studie über Auswirkungen von Stress bei Schwangerschaft wurde deutlich, dass sich die Bakterienzusammensetzung in der Vagina veränderte und gerade der Anteil an Lactobacilli deutlich verringerte. Diese veränderte Mikrobenzusammensetzung konnte auch bei den Jungtieren beobachtet werden.

In der Wissenschaft stehen dem Thema noch immer viele skeptisch gegenüber, denn selbst wenn eine Übertragung auf den Menschen gelingen sollte, müssen sehr viele Störfaktoren berücksichtigt werden, die eindeutige Ergebnisse erschweren.
Aber dennoch werden immer mehr Forschungsgelder für entsprechende Projekte bereit gestellt.

Um einen stärkeren Anwendungsbezug zu gewährleisten, suchen Forschergruppen wie die des MyNewGut-Projektes in Europa gezielt nach Ernährungsempfehlungen, die zu einer Verbesserung neurologischer Krankheiten führen könnte.

Ob sich die aus Tierversuchen stammenden Ergebnisse wirklich auf den Menschen übertragen lassen, muss noch gezeigt werden, aber wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein.

 

Quellen:

Smith, P.: The tantalizing links between gut microbes and the brain. Nature Oktober 2015

John K. et al.: Irritable bowel syndrome – Eight year prognosis of postinfectious irritable bowel syndrome following waterborne bacterial dysentery. Gut 2010;59:605-611

Bercik P. et al: The Intestinal Microbiota Affect Central Levels of Brain-Derived Neurotropic Factor and Behavior in Mice. Gastroenterology August 2011Volume 141, Issue 2, Pages 599–609.e3

Braniste V. et al: The gut microbiota influences blood-brain barrier permeability in mice. Science Translational Medicine 19 Nov 2014: Vol. 6, Issue 263, pp. 263ra158

Yano J. et al.: Indigenous Bacteria from the Gut Microbiota Regulate Host Serotonin Biosynthesis. Cell Volume 161, Issue 2, p264–276, 9 April 2015

Ogbonnaya E. et al.: Adult Hippocampal Neurogenesis Is Regulated by the Microbiome. Biological Psychiatry August 15, 2015Volume 78, Issue 4, Pages e7–e9

Jašarević E. et al: Alterations in the Vaginal Microbiome by Maternal Stress Are Associated With Metabolic Reprogramming of the Offspring Gut and Brain. Endocrinology. Volime 156, Issue 9 2015

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