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Warum du nicht blind auf die Wissenschaft hören solltest

25. Januar 2016

Können wir den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien wirklich trauen?

Es ist eigentlich egal, wie signifikant und revolutionär Forschungsergebnisse sind, wenn wir uns nicht darauf verlassen können.

Es ist nicht so, dass alles, was in Studien herausgefunden wird, totaler Murks ist.

Aber dennoch sollte man neuen wie alten Erkenntnissen der Wissenschaft immer mit Vorsicht begegnen.

Das zumindest lässt sich als Schlussfolgerung des 2005 in der Nature erschienen Artikels “Scientists Behavong Badly” ziehen.
Für den Artikel wurden 3.000 Wissenschaftler, die Fördergelder der National Institutes of Health (NIH) in Amerika bekommen, mit einem anonymen Fragebogen aufgefordert, auf verschiedene Angaben ihre Arbeit betreffend zu antworten.

Nur 42 Prozent der angeschriebenen Wissenschaftler haben den Fragebogen überhaupt ausgefüllt.
Von diesen gaben 15,5 Prozent an Design, Methodik oder Ergebnisse auf Druck von Geldgebern hin verändert zu haben. Während dies am Anfang der Karriere eher seltener vor kam, gaben dies immerhin 20,6 Prozent für ihre spätere Laufbahn an.
Zudem gaben 15,3 Prozent der Wissenschaftler an, aufgrund eines mulmigen Gefühls, Beobachtungen und Daten aus ihren Analysen entfernt zu haben. Dies sind also gerade die Ergebnisse, die vom allgemeinen Konsens abweichen und eventuell zu neueren Erkenntnissen führen könnten.
Immerhin 12,5 Prozent der Befragten stimmten zu, dass sie durchaus fehlerhafter Daten aus anderen Quellen verwenden würden, wenn diese zu ihren Forschungsergebnissen passen.
Auch verschwiegen 10,8 Prozent Teile ihrer Ergebnisse, wenn diese nicht gewünscht oder unpassend seien.
6 Prozent der Wissenschaftler gaben an, Daten außer Acht zu lassen, die den eigenen Ergebnissen widersprechen.

Wie bei allen Fragebögen muss davon ausgegangen werden, dass die gesellschaftlich unerwünschten Antworten seltener angekreuzt werden, als dies der Realität entsprechen würde.
Wir können also davon ausgehen, dass derartige Manipulationen absichtlich oder auch unabsichtlich deutlich häufiger vorkommen.

Natürlich ist das kein Grund, alle Wissenschaftler als notorische Lügner dar zu stellen. Viele sind gewissenhafte Menschen, die wirklich versuchen, neue Erkenntnisse für die Menschheit zu gewinnen.
Aber es erinnert uns daran, dass wir bei Studien schauen müssen, von wem diese eigentlich finanziert werden und wer einen profitorientierten Nutzen aus den Ergebnissen erzielt.
Erstaunlich oft ist die Antwort auf beide Fragen die gleiche.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über uns und unsere Welt sind wichtig für unser Verständnis und eine Orientierung in dem immer verschlungener werdenden Wald des Konsums und der Werbung.
Aber dennoch können wir nicht jeder Studie blind folgen und darauf vertrauen, dass diese uns das ewige Heil bringen kann. Dafür widersprechen sich die einzelnen Studien zu sehr.

Wissenschaft ist eben auch nur ein Werk des Menschen und damit fehlbar.

Vergesst das nicht und bleibt kritisch!

 

Quelle:

Martinson B. et al.: Scientists Behaving Badly”. Nature 435 2005. S. 737 – 738

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