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Wie ein Apfel dein Leben retten kann

23. Januar 2016

Der Apfel ist das Obst schlecht hin in Deutschland.
Kaum eine andere Frucht wird hier so viel gekauft.
In vielen anderen europäischen Ländern und Amerika sieht es ähnlich aus.

Aber was ist eigentlich drin im Apfel?

Von dem Vitamin C-Gehalt her ist der Apfel nicht weiter erwähnenswert.
Auf 100g Apfel kommen gerade mal 12 mg Vitamin C.
Damit fallen sie weit hinter Hagebutten mit 1.250 mg, aber auch hinter vielen Gemüsesorten wie Kohl zurück.

Klar, denn Äpfel bestehen zu etwa 85% aus Wasser.

Doch obwohl der Vitamin C-Gehalt so gering ist, konnten in verschiedensten Studien doch einige verblüffende Vorteile des Apfels festgestellt werden.

Wundermittel Apfel

Bei einem Vitamin C-Gehalt, der bei einigen Apfelsorten sogar lediglich 5,7 mg betrug, konnten auf 100g Äpfel statt der erwarteten 0,32 TOSC (dem Wert der antioxidativen Aktivität) einen TOSC-Wert von etwa 84,2.

Um diese Wirkung zu erzielen, müsste in 100g Äpfeln 1500 mg Vitamin C vorhanden sein.
Die antioxidative Wirkung der Äpfel geht also nur zu 0,4% vom Vitamin aus und zu 96% von anderen, teilweise noch immer unbekannten Inhaltsstoffen.

Bislang bekannte antioxidative Inhaltsstoffe sind im Apfel Quercetin, Catechine, Epicatechine, Procyanidin, Cumarinsäure, Chlorogensäure, Gallussäure und Phloridzin.

Zwar ist die Chlorogensäure im Fruchtfleisch des Apfels stärker vorhanden, doch alle anderen Inhaltsstoffe tummeln sich zumeist in der Schale. Hier finden sich nicht nur viel mehr Phenole, sondern auch etwa dreimal so viele Flavonoide.

Insgesamt ist die Konzentration von der Apfelsorte, dem Erntezeitpunkt, der Lagerung und Verarbeitung abhängig. Dazu später mehr.

antioxidative Wirkung

Jetzt kommen wir erstmal dazu zurück, warum Äpfel so gesund für uns sind. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass der Verzehr ganzer Äpfel das Tumorwachstum einschränken konnte ohne zugleich Hinweise auf Schädigungspotenzial anderer Zellen zu geben.

Wie kann das sein?

Nun, viele Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen direkte Effekte des oxidativen Stresses sind, da Oxidation die DNA, Lipide und auch Proteine schädigt.

Jede DNA jeder einzelnen Zelle ist täglich etwa 10.000 dieser oxidativen Angriffe ausgesetzt.

Im Vergleich zu den meisten anderen Obstsorten konnte der Apfel sich mit seiner antioxidativen Wirkung durchsetzen. Lediglich Cranberrys zeigten eine noch etwas größere TOSC.

Humanstudien: Äpfel gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vieles mehr

In Langzeitstudien konnte gezeigt werden, dass der Verzehr von Äpfeln das Lungenkrebsrisiko um etwa 40-50% senken konnte.
Dies liegt vor allem an den Flavonoiden, insbesondere am Quercetin.
Zu anderen Krebskrankheiten liegen bislang keine Studien am Menschen vor, doch kann auch bei diesen von einem Rückgang des Risikos ausgegangen werden.
Nicht nachgewiesen werden konnte übrigens der Effekt von Flavonoiden aus Tee.

Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde durch regelmäßigen Apfelkonsum um 35% geringer.
Das Risiko, an diesen Erkrankungen zu sterben, war leicht geringer im Vergleich zu Menschen, die wenige oder gar keine Äpfel aßen.
Diese schützende Wirkung wird auch hier den Flavonoiden zusammen mit den Catechinen und Epicatechinen zugesprochen.

Sogar Asthma und die Lungenfunktion konnten durch den Verzehr von Äpfeln gebessert werden. Hier scheinen die Flavonoide Quercetin, Hesperitin und Narigenin zusammen mit verschiedenen Catechinen zu wirken.

Das Quercetin des Apfels wurde zudem mit einem veringerten Risiko in Verbindung gebracht, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Erkenntnisse aus in vitro und Tierstudien

In unterschiedlichen in vitro Studien und Tierversuchen wurde deutlich, dass die antioxidative Wirkung anscheinend aus der Wechselwirkung verschiedenster Inhaltsstoffe entsteht.
Diese sind aber zum Großteil noch nicht genau klassifiziert.
So konnte auch die Auswirkung auf Tumorzellen keinem Einzelstoff zugeschrieben werden, sondern erfolgte lediglich in der Gesamtkomposition des Apfels.

Während in Tierversuche an Ratten eine verminderte Lipidperoxidation durch die Einnahme von Äpfeln festgestellt werden konnte, wurde durch die Einnahme von Apfelsaft eine Zunahme der Oxidationen von Plasmaproteinen beobachtet.
Beides wurde anschließend am Menschen bestätigt. Lipidperoxidation löst Zellschädigungen aus und kann zu Arteriosklerose führen, aber auch die Oxidation von Plasmaproteinen ist nicht vorteilhaft.

Ratten zeigten einen Abfall des Plasma- und Lebercholesterins bei gleichzeitiger Zunahme des “guten” HDL Cholesterins.
Dieser Effekt lässt sich anscheinend vor allem auf Pektin und Phenolen zurückführen, allerdings waren beide Stoffe in Kombination deutlich wirksamer als getrennt.

Meine Empfehlung

Esst mehr Äpfel!
Am besten vier oder fünf in der Woche. Und jeden Tag ein Apfel schadet sicherlich auch nicht.
Aber seid vorsichtig bei Apfelsaft.

Vergesst Superfoods, da wir doch dieses Wundermittel direkt vor der Haustür haben.

Natürlich sind die Ergebnisse wie immer mit Vorsicht zu genießen. Jede Studie ist manipulierbar und jede Interpretation subjektiv.
Dennoch lässt sich als Ergebnis dieses Überblicks verschiedener Studien ablesen, dass der Apfel ein für seine Größe riesiges Sammelsorium an nützlichen Pflanzenstoffen bietet.
Da wir bislang nur einen Bruchteil der Inhaltsstoffe kennen und kaum etwas über die verschiedenen Wechselwirkungen wissen, empfehle ich euch, den ganzen Apfel mit Schale zu essen und nicht auf irgendwelche Pillen zu vertrauen.

Wie Stiftung Warentest feststellte, ist die Pestizidbelastung der meisten Äpfel erstaunlich niedrig, dennoch empfehle ich euch -wenn möglich- Bioäpfel zu essen, um wenig schädliche Inhaltsstoffe zu euch zu nehmen.

Damit alle Inhaltsstoffe möglichst lange erhalten bleiben, lagert eure Äpfel im Kühlschrank. Am längste halten sie in einer Plastiktüte mit kleinen Löchern im Gemüse- und Obstfach.

 

 

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